Aktuelles

Festlich war es,

als wir am 18. Mai 2022 die Einweihung unseres Verwaltungszentrums begehen konnten.

Bei herrlichem Sonnenschein und mit bester Laune waren unserer Einladung ein großer Teil der mit der Bauvorbereitung und Baudurchführung Befassten sowie gegenwärtige und künftige Nutzer gefolgt. Begrüßen durfte ich auch Herrn Staatssekretär Dr. Pfeil, Herrn Landrat Harig, MdL, Frau Wissel, sowie Bürgermeisterkollegen und eine –kollegin aus den benachbarten Städten und Gemeinden. Der Großpostwitzer Posaunenchor und Klara Lehmann, als Geigerin, umrahmten die Feierstunde in hoher Qualität. Nach einigen Grußworten weihten die Pfarrer unserer evangelisch–lutherischen und unserer katholischen Kirchgemeinden das Bauwerk für seine neue Bestimmung ein.

Genauso, wie ich Sie bereits in den zurückliegenden fast drei Jahren an den jeweiligen Entwicklungen zum Umbau des ehemaligen Bahnhofes teilhaben ließ, ist es nun nur angemessen, hier meine bei der Einweihung vorgetragene Festrede zum Abdruck zu bringen:

„Ich heiße Sie recht herzlich willkommen in Großpostwitz an unserem in neuem Glanz erstrahlenden Verwaltungszentrum Großpostwitz-Obergurig und sage an dieser Stelle bereits DANKE für Ihre Unterstützung und dafür, dass das Gebäude jetzt so hervorragend angenommen wird.

Eines vorweg: „Früher war alles anders!“ Manches auch besser!

So genehmigte der sächsische Landtag den Bau der Strecke Bautzen-Bad Schandau im Jahre 1870. Schon 1877 ging sie in Betrieb. Nur 7 Jahre waren also nötig für knapp 65 km Strecke, 7 Tunnel, 2 große Viadukte sowie 28 kleinere Brücken. Heute wäre dies unvorstellbar! Auch der Bahnhof Großpostwitz entstand in diesem Zuge und auch er wurde 1877 eingeweiht. Für alle Orte an dieser Strecke bedeutete sie einen Zugewinn an Bedeutung, war sie Keimzelle der Industrialisierung, brachte Wohlstand und Siedlungsbau. Ich könnte jetzt noch viel über Eisenbahngeschichte erzählen, doch dazu gibt es wahrlich bessere Referenten.

Nahezu ein und ein Viertel Jahrhundert lebten die Menschen an, um und mit ihrer Strecke. Doch Entwicklung bedeutet auch, dass man sich manchmal von etwas verabschieden muss. Der Bahnverkehr hatte für unsere Region deutlich an Bedeutung verloren. Und so wurde die Eisenbahnlinie 6216 Bautzen-Wilthen mit Fahrplanwechsel ab dem 12. Dezember 2004 stillgelegt. Ohne Nutzung und Unterhalt verfiel das Gebäude.

2007 stellte das Maßnahmekonzept zur Stadtsanierung in Großpostwitz hier einen städtebaulichen Mangel fest, der die gesamte Umgebung negativ beeinflusste. Frank Lehmann wagte es als Bürgermeister im April 2008, dem Gemeinderat vorzuschlagen, das gemeindliche Vorkaufsrecht wahrzunehmen, um ins Eigentum zu gelangen und Steuerungsmöglichkeiten zu gewinnen. In dieser Gemeinderatssitzung konnte er noch keine Mehrheit gewinnen. 2010 befasste sich die Diplomarbeit von Antonia Göldner in unserem Hause mit der „Vorbereitung auf die Erstellung einer Nutzungskonzeption für den Bahnhof in Großpostwitz“. Unter anderem mittels Bürgerbefragungen kam sie zum Ergebnis, dass die Großpostwitzer Bevölkerung hohes Interesse am Erhalt des historischen Bahnhofes als Ausgangspunkt des industriellen Aufschwunges des Ortes und wesentlichem Bestandteil des Ortsbildes hat. Im März 2011 ermächtigte der Gemeinderat Großpostwitz den Bürgermeister, an der Auktion zur Versteigerung des Bahnhofes mitzubieten.

Für 11 T€ wurde die Gemeinde Großpostwitz sodann stolze Eigentümerin einer Brache.

Der Traum, dass ein weißer Ritter käme und das Bauwerk saniere, erfüllte sich trotz mannigfaltiger Bemühungen nicht. Und so entstand 2017 im Rahmen der ELER-Förderung die „Konzeptstudie zur Umnutzung des Bahnhofsgebäudes als Verwaltungsstandort“ und stellte im Ergebnis fest, dass das Objekt geeignet ist, alle Mitarbeiter der bis dato zweihäusig arbeitenden Verwaltungsgemeinschaftsverwaltung zu fassen.

Als das nächste Mal das Programm „Vitale Dorfkerne und Ortszentren im ländlichen Raum“ aufgerufen wurde, nutzen wir die Chance und stellten im Februar 2018 den Fördermittelantrag (damals ging man von Umbaukosten von 2,4 Mio. € aus). Nach einem intensiven Prüfungsprozess beim SIB konnte sich die Gemeinde Großpostwitz im Februar 2019 über einen Fördermittelbescheid über fast 2 Mio. € (mittlerweile ging man von Umbaukosten von 2,645 Mio. € aus) freuen, den uns seinerzeit ebenfalls Herr Staatssekretär Dr. Pfeil überreichte.

Im September 2019 starteten dann die Umbauarbeiten und diese boten uns einen bunten Strauß an „Herausforderungen“ technischer, logistischer und auch immer finanzieller Art. Zwar liegen noch nicht alle Schlussrechnungen vor, aber wir gehen davon aus, dass Gesamtprojekt uns final ca. 4,3 Mio. € kostet (davon sind 2,5 Mio. € Zuwendungen aus dem Programm „Vitale Dorfkerne und Ortszentren im ländlichen Raum“). Nach diesem Ritt durch die Geschichte ein paar Gedanken dazu, dass der alte Spruch „Der Erfolg hat viele Väter (und Mütter)“ in diesem Falle besonders zutrifft.

Verzeihen Sie, wenn ich jetzt nicht jeden ansprechen kann, aber ein paar Meilensteine seien erwähnt. Zunächst sei da die Entschlossenheit Frank Lehmanns als Bürgermeister genannt, hier aktiv für Entwicklung einzutreten und das Heft des Handelns zu übernehmen. Gleiches gilt für den Gemeinderat, der sich Mut fasste und eine Brache erwarb, um städtebaulich etwas zu verbessern und das Denkmal zu schützen. Wir fanden seinerzeit offene Ohren im Ministerium, das das recht neue Förderprogramm „Vitale Dorfkerne“ weiterentwickelte und auch für Verwaltungsnutzungen einsetzbar machte. Unser Landrat Harig staunte seinerzeit schon, dass wir für „nur“ 2,4 Mio. € diesen Umbau stemmen wollten. Er behielt mit seiner Prognose - „mindestens 4 Mio. € hätte ich geschätzt“ - Recht und setzte alle Ampeln im Landratsamt auf Grün, um unser Projekt zu unterstützen. Da wurde eine sehr zügige Baugenehmigung mit allen mitwirkenden Ämtern möglich. Herrn Jahnke und Herrn Kulok aus dem Kreisentwicklungsamt beschäftigten wir schon damals mit einem riesen Paket an Fragen zum Fördermittelverfahren und wurden wunderbar begleitet. Das Büro Dietrich und Partner geleitete das Projekt vom Nutzungskonzept bis zum letzten Pinselstrich federführend und auch die Fachplaner gaben ihr Bestes. Wir waren gut beraten, uns die STEG als Projektsteuerung hinzuzuziehen, denn es galt Vieles zu koordinieren.

Ich kann nicht auf alle der ca. 40 Gewerke eingehen, doch Herrn Mörbe als obersten Bauleiter muss ich besonders hervorheben. Er war das Herz der Baustelle, brauchte nie ein Mikrofon, um verstanden zu werden, rettete uns auch schon mal am Sonntag vor Starkregen oder kehrte das Gerüst. Sein Gegenüber im Bauamt war Peter Janda, bei dem alle Informationen zusammenliefen und der die Bauherrenfunktion jederzeit gut aussteuerte. Ihnen allen sei Dank gesagt, insbesondere den Gemeinderäten, meiner Verwaltung, dem Bauhof – Ihnen also, die diesen schöpferischen Prozess über zweieinhalb Jahre gestalteten und zum Teil mit mir auch aushalten mussten. Ich freue mich, dass das Haus derart gut in unserer Bevölkerung angenommen wird und wünsche allen Nutzern eine gute Zeit im Verwaltungszentrum Großpostwitz-Obergurig.“

Da dies ein Gebäude für alle Bürgerinnen und Bürger unserer Gemeinden Großpostwitz und Obergurig ist, laden wir Sie für Samstag, den 18. Juni 2022, zu einem Tag der offenen Tür ein. Zwischen 12.00 und 16.00 Uhr haben Sie Gelegenheit, das Haus von innen und außen zu besichtigen, in Erinnerungen zu schwelgen und ins Gespräch zu kommen. Um 15.00 Uhr wollen wir dann ganz in der Nähe endlich auch unseren neuen Kinderspielplatz „Waldbahnhof“ seinen Nutzern übergeben. Unsere Vereine werden an diesem Tag für Speis und Trank, Gesang und Kinderspiele sorgen. Seien Sie ganz herzlich willkommen!

Überhaupt ist seit Ende April wieder etwas los im Bautzener Oberland und auch in unserer Gemeinde. Nach den nun endlich wieder durchgeführten Hexenbrennen bringt uns der Mai nicht nur die erwachende Natur sondern auch Höhepunkte und Neues allerorten. Einige unserer Nachbargemeinden begehen ihre 800jährigen Jubiläen mit bemerkenswerten Rahmenprorammen, die über das gesamte Sommerhalbjahr verteilt sind. Obergurig feiert Anfang Juli das 750. Jubiläum. In Großpostwitz folgten die Vereine meiner Einladung und wir stellten einen Jahresveranstaltungsplan auf. In der Grundschule erwarten uns am 16. Juni 2022 und im Kinderhaus am 01. Juli 2022 Tage der offenen Tür. Nutzen Sie diese Angebote!

Der neue Bolzplatz am ONTEX-Stadium wird hervorragend angenommen. Christi Himmelfahrt startete wieder auf dem Sonnenberg mit einem Gottesdienst unter freiem Himmel. Man sah den ganzen Tag gutgelaunte Herrentagsgesellschaften durch unseren Ort ziehen und an den eigens hierfür vorbereiteten Lokalen Station machen.

Es macht Spaß, zu beobachten, wie sich die Jugendfeuerwehr (egal ob beim Hexenbrennen oder mit dem Insektenhotel für den neuen Spielplatz) ins Gemeindeleben einbringt und endlich wieder aktiv arbeitet. Leider hatte das Einsatzgeschehen der Freiwilligen Feuerwehr gleich zu Beginn des Monats einen traurigen Höhepunkt. Ein schwerer Verkehrsunfall auf der B96 zwischen Großpostwitz und Eulowitz erforderte das Ausrücken. Einer der Unfallbeteiligten verlor dabei sofort sein Leben, ein weiterer verstarb später. Mein Respekt gilt allen Kameraden, die hierbei ihr Möglichstes gaben und dann so hart mit der Endlichkeit des Lebens konfrontiert wurden, als sie ihn retten wollten und dies leider nicht gelang.

Ende Mai dann hatten wir wohl „Glück im Unglück“. Ein Container im Bereich des umfangreichen Holzlagers eines Baustoffhändlers in Ebendörfel zeigte eine starke Rauchentwicklung. Der zeitnahe Einsatz der Feuerwehr verhinderte die Ausbreitung eines Feuers und wohl auch das Übergreifen dieses auf das umfangreiche Lager.

RETTEN - LÖSCHEN - BERGEN – SCHÜTZEN Das sind die Hauptaufgaben der Feuerwehr im Einsatz. Aber sowohl da, als auch in der Ausbildung und in der Übung ist es KAMERADSCHAFT, die ein Einstehen des Einen für den Anderen voraussetzt. Dies bedeutet jedoch nicht nur, dass man geben muss. Nein! Man bekommt auch viel von den Mitstreitern. Genau das bedeutet jedoch auch, dass die Freiwillige Feuerwehr es als selbstverständlich ansieht, sich in der Dorfgemeinschaft einzubringen. Wer zur Feuerwehr möchte, melde sich bei jeder Kameradin, jedem Kameraden oder bei mir. Wir vermitteln da gerne!

Zurück zur Gemeinde“politik“.

Das vom Gemeinderat auf Priorität Eins gesetzte Ziel - der Umbau des ehemaligen Gemeindeamtes zum medizinischen Zentrum - rückt ein wenig näher. Die Rechtsaufsicht hat den Haushalt 2022 unter Auflagen genehmigt und im Juni befinden wir darüber, ob wir diese akzeptieren.

Das Vorhaben „Buswendeplatz Pilgerschänke“ schreitet voran. Ende Juni sind Asphaltierungsarbeiten vorgesehen.

Es mag vielleicht auch aufgefallen sein, dass auf vielen kommunalen Straßen in den letzten zwei Wochen interessante Muster aufgebracht wurden. Wir beauftragten bereits letztes Jahr, dass Fugenrisse mit Asphalt vergossen werden, um weitere Frostschäden zu vermeiden. Witterungsbedingt verzögerte sich dies bis 2022. Da wir durch die sächsische Förderpolitik in der Nähe keine auskömmlichen Mittel für richtige Sanierungen sehen, haben wir einen Großteil unserer Straßen „risssanieren“ lassen.

Gemäß den Aussagen in der letzten Gemeinderatssitzung gibt es auch in einem Projekt Bewegung, das den Gemeinderat und die Einwohnerschaft mittlerweile Jahrzehnte beschäftigte und unsere betagte Einwohnerschaft besonders interessieren dürfte. Das „Seniorenpflegeheim Großpostwitz“ soll nach diesen Aussagen nun endlich Realität werden und schon für diesen Herbst ist der Spatenstich vorgesehen. Möge es so sein!

Vor Ihnen steht nun bald die Wahl des neuen Landrates. Auch hier hilft es nicht, sich später zu beschweren. Man muss Verantwortung übernehmen und entscheiden.

In Großpostwitz befassen wir uns – zumindest seitens des Gemeinderates und der Verwaltung - nicht mit dem, was wir uns wünschen, sondern mit dem wahren Leben. Und zu diesem gehört, dass schon wieder „Experten“ anmahnen die Corona-Lage des Herbstes vorzubereiten und dass Affenpocken die nächste Herausforderung werden könnten.

Viel dramatischer aber ist akut das Geschehen in der Ukraine. Der Ausgang ist offen.

Wir werden diese Herausforderungen nicht ignorieren, aber sie auch nicht die Herrschaft gewinnen lassen.   Es gibt genug Zeichen, gut gestimmt nach vorn zu schauen. Lassen Sie uns dies gemeinsam tun!

Für den Juni wünsche ich Ihnen alles Gute und grüße sie herzlich.

Ihr Bürgermeister,
Markus Michauk

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