... 85 Jahre Freiwillige Feuerwehr Rascha ...


zusammengestellt von H. Döcke


Vom 24. bis 26. Juli 1998 feiert die Ortswehr Rascha ihr 85jähriges Gründungsjubiläum.
Gegründet wurde die Wehr im Jahre 1913. Zuvor gehörte die damals selbständige Gemeinde Rascha zum Spritzenverband Großpostwitz. Bereits in den Jahren 1889 und 1906 war die Anschaffung einer eigenen Spritze geplant, jedoch stimmte die Mehrheit der Gemeinderatsmitglieder jeweils für den Verbleib im Spritzenverband Großpostwitz. 1913 wurde aber dann beschlossen, eine eigene Feuerwehr zu gründen. Das Gemeindebuch Rascha belegt dazu eine Reihe von Aktivitäten. Am 18.02.1913 wurde entschieden, auf der vom Gasthofbesitzer Würgatsch gekauften Parzelle ein Spritzenhaus mit Arrestzelle und Freibankraum zu errichten. Den Zuschlag erhielt der ortsansässige Bauunternehmer Zieschank.
Am 27.07.1913 kam es zum Abschluß eines Vertrages mit der Firma Spohn in Löbau zwecks Lieferung einer fahrbaren Handdruckspritze und 150 Meter Hanfschlauch. Die Finanzierung der Anschaffungskosten von 1.450 Mark erfolgte über ein zinsfreies Darlehen der Königlichen Brandversicherungskammer. Die Handdruckspritze ist heute noch in sehr gut erhaltenem Originalzustand vorhanden und kann bei Jubiläumsfeierlichkeiten, Festumzügen und bei den jährlich stattfindenden Oberlausitzer Handdruckspritzentreffen bestaunt werden und wird oft auch noch von einer in historische Uniformen gekleideten Mannschaft vorgeführt.
Am 14.08.1913 beschloß der Gemeinderat eine neue Feuerlöschordnung. Zum Spritzenmeister wurde Herr Max Döcke bestellt, Stellvertreter wurde Herr Richard Sorsch. Die Pferdebesitzer waren reihum verpflichtet, bei Bedarf die Pferde zur Bespannung der Handdruckspritze bereitzustellen. Der Spanndienst wurde mit jeweils 4 Mark vergütet.
Während des 1. Weltkrieges waren fast alle Feuerwehrmitglieder zum Kriegsdienst eingezogen. Durch Schreiben des Gemeindevorstandes wurden deshalb alle erwachsenen Einwohner bis zum Alter von 50 Jahren aufgefordert, Spritzendienst zu leisten. Nach Kriegsende gab es wieder eine gut organisierte Feuerwehr in Rascha. Herr Adolf Schurig wurde als Feuerwehrhauptmann eingesetzt. Er hatte diese Funktion bis zur Eingemeindung von Rascha nach Großpostwitz im Jahre 1934 inne. Von diesem Zeitpunkt an war Rascha der 2. Löschzug der FFW Großpostwitz. Zugführer war ebenfalls Adolf Schurig bis zum Ende des 2. Weltkrieges.
1920 beschloß der Gemeinderat ein neues Statut für die Feuerwehr. Damals hatte die FFW Rascha eine Stärke von 25 Mann. Das blieb auch in den folgenden Jahrzehnten fast immer so. Am 8. August 1921 wurde ein Steigerturm eingeweiht. Dieser befand sich am Scheunengiebel der Landwirtschaft Heidan (heute Grundstück Bläsche). Anfang der 20er Jahre wurden verschiedene Ausrüstungs- und Bekleidungsstände angeschafft (Steigerleitern, Schläuche, Lederhelme und Feuerwehrjoppen). Im Juli 1924 bekam das Spritzenhaus elektrische Beleuchtung. Die schlechte Finanzlage der Gemeinde Rascha veranlaßte z.B. am 19.06.1923 den Gemeinderat zur Beschlußfassung, daß die Feuerwehrangehörigen zwecks Aufbringung von Mitteln für die Wehr eine Haussammlung durchführen sollen. Bei Nichterscheinen von Kameraden zu Feuerwehrübungen wurden Strafen in Höhe von 1,50 Reichsmark erhoben (Gemeinderatsbeschluß vom 20.07.1924).
Für die Schnelligkeit beim Einsatz zur Brandbekämpfung in anderen Orten erhielten die Feuerwehr früher Prämien. So war z.B. beim großen Brand des Gutes Denkwitz am 03.01.1925 die Raschaer Spritze neben Ebendörfel als erste zur Stelle.
Außer an Versammlungen, Übungen und Löscheinsätzen beteiligten sich die Feuerwehrkameraden vor dem 2. Weltkrieg auch an zahlreichen Verbandstagen des Sächsischen Feuerwehrverbandes und an Feuerwehrfesten.
In den 30er Jahren (das genaue Jahr läßt sich leider nicht mehr feststellen) erhielt der Zug Rascha die erste Motorspritze TS 3. Für den Transport der Spritze nebst diversen Geräten baute der Stellmacher Richard Döcke einen Handkarren.
Nach dem 2. Weltkrieg befanden sich die meisten Feuerwehrangehörigen in Gefangenschaft. Unter Leitung von Siegfried Wilhelm organisierten deshalb die Jugendlichen aus dem Ort die Feuerwehr im Jahre 1945 neu. Rascha war wieder ein Löschzug der FFW Großpostwitz und ab 1959 Kommandostelle. 1949 übernahm Richard Döcke die Leitung des Zuges Rascha bis zu seiner Wahl zum Wehrleiter der FFW Großpostwitz im Jahre 1954. Danach wirkten als Zugführer bis 1958 Max Schiemann, bis 1959 Martin Zieschank und als Kommandostellenleiter von 1959 bis 1966 Horst Wauer. Von 1966 bis 1996 hatte Werner Langner diese Funktion inne und in dieser Zeit eine nachwirkend hervorragende Arbeit geleistet. 1997 erhielten die Kommandostellen den Status von Ortfeuerwehren, nachdem zuvor für kurze Zeit die Bezeichnung Abteilung eingeführt wurde. Zum Ortswehrleiter wurde 1997 Eberhard Karraß gewählt.
Viele Feuerwehrleute aus Rascha nahmen an Qualifizierungslehrgängen teil, wurden mit verantwortlichen Funktionen betraut und einige zu Offizieren befördert. In der Wehrleitung der FFW Großpostwitz wirkten außer dem bereits erwähnten Wehrleiter Richard Döcke über viele Jahre Horst Wauer und Horst Döcke als stellvertretende Wehrleiter aktiv mit.
In den Jahren 1969, 1970 und 1971 legte die Kommandostelle Rascha in Folge die Prüfungen zu den Leistungsstufen III, II und I erfolgreich ab und führte den Titel "Vorbildliche freiwillige Feuerwehr".
1971 erhielt die Kommandostelle ein Anhängerfahrzeug mit einer Tragkraftspritze TS 8. Das war für damalige Verhältnisse eine moderne Ausrüstung. Der Anhänger wurde in großer Stückzahl im VEB Löschgerätewerk Görlitz hergestellt und trägt die Fahrzeugnummer 10.000. Er befindet sich noch heute im Einsatz.
In Rascha kam die Feuerwer zum Glück nur selten zum Einsatz. Abgesehen von einem Wohnungsbrand am 07.03.1986 in der Raschaer Siedlung und von einigen kleineren Waldbränden auf dem Drohmberg blieb der Ort seit Bestehen der Wehr vom Feuerteufel verschont. In Großpostwitz und in den umliegenden Orten beteiligten sich die Kameraden öfter an Löscheinsätzen. Erinnert sei an den Brand in der Teigwarenfabrik "Komet" am 19.12.1963, bei dem bei extremer Kälte Löscharbeiten durchgeführt werden mußten. Da die Spreeniederung in Großpostwitz oft vom Hochwasser betroffen war, leisteten auch dort die Raschaer Hilfe, so in den Jahren 1926, 1972, 1977 und 1982.
Hervorzuheben sind die vielen größtenteils unentgeltlichen Arbeitseinsätze der Feuerwehr bei der Instandsetzung des Feuerlöschteiches, bei Erhaltungs- und Modernisierungsmaßnahmen im Gerätehaus sowie bei Dorffesten und anderen gemeinnützigen Arbeiten. Unter dem Motto "Einer für alle - alle für Einen" wurde auch so manchem Kameraden bei Baumaßnahmen auf seinem Grundstück geholfen.
Nach der Wende im Jahre 1989 wurde die FFW Mitglied des Kreisfeuerwehrverbandes Bautzen. Die Gemeinde Großpostwitz ermöglichte wichtige Maßnahmen zur Verbesserung des Brandschutzwesens. Die Kameraden erhielten neue Einsatzkleidung, der Feuerlöschteich in Rascha wurde instandgesetzt und das Feuerwehrhaus großzügig modernisiert (im Amtsblatt Nr. 1/1998 wurde darüber berichtet).
Die Mitgliedschaft in der Feuerwehr verbindet alle Kameraden auch mit vielen schönen Erlebnissen, wie den gemeinsam organisierten Veranstaltungen vielfältiger Art. Genannt seien nur die Ausfahrten und Schlachtfeste, an denen die Ehefrauen bzw. Partner teilnehmen. Das Schlachtfest lebte in der Nachkriegszeit auf, als alle noch großen Hunger hatten. Es wird als Tradition seit 1951 ohne Unterbrechung alljährlich durchgeführt. Da mußte Anfang der 50er Jahre auch mal ein Schwein schwarz geschlachtet werden.

Wir wünschen den Kameraden und ihren Gästen zu den Festtagen anläßlich des 85jährigen Bestehens viel Freude, schönes Wetter und "Gut Schlauch"!