... Auszüge / Sonderausgabe zum Dorffest anno 2004 vom 28. August ...


B i n n e w i t z e r ___ B o t e

zugearbeitet von Frank Treue 2004

Binnewitz 1994 - auch aus der Luft sah manches vor zehn Jahren anders aus



______________________________________________________________________________________

Binnewitz
vor fast 300 Jahren

Die Karte aus dem Jahr 1732
zeigt die gesamte Kirchgemeinde
Großpostwitz in dem Jahr, in
dem der erste Bau der Kirche
fertig wurde.
Die einfach gestrichelte Linie
ist die heutige B96, die
ungleichmäßig stark nachgezogenen
Linien und die gepunktete Linie
zeigen damalige Gebiets- und
Sprachgrenzen.



______________________________________________________________________________________

Brände, Hochwasser, Straßenbau ______
Otto Meyer wurde hier 1920 geboren.

Er ist mit 84 Jahren derzeit der dienstälteste Binnewitzer.

In Soculahora ging er zur Schule - wie die meisten Binnewitzer nach ihm.
Nach der 8. Klasse hat er Maurer gelernt bei Baumeister Mohn auf der Bautzener
Wallstraße. Erinnerungen an die ganz frühen Jahre fallen schwer. Bei einigen
Geschichten kann er aber doch helfen:

Dorf-Geschichte

Das Dorf, so viel steht fest, hatte seinen früheren Kern am heutigen Dorfteich.

Dorf-Brände

Dort muss es auch die großen Brände gegeben haben, von denen immer mal erzählt wird,
über die aber nichts Genaueres zu erfahren ist.

Dorf-Laden

Der Kolonialwarenladen - später Konsum - wurde von einem Pohl aus Auritz gebaut und
1930 an Medacks verkauft. Von 1956 bis 1991 gehörte er der Konsumgenossenschaft.
Vom 1. April 1991 bis Ende 1991 hat die Firma Lischke den Laden betrieben. Verkäuferin
war viele Jahre Rita Möhn.

Hochwasser

Ende der 20er Jahre muss der Bach vom Drohmberg so viel Wasser mitgebracht haben,
dass bei Kaisers (heute Zwahr) alle Kühe aus dem Stall mussten, um sie vor dem Ertrinken
zu retten.

Feuerwehr

Binnewitz hatte nie eine eigene Feuerwehr. Die Kameraden des Dorfes gehörten nach
Ebendörfel, später nach Grubditz und heute wieder nach Ebendörfel.

Dorfstrasse

In den 30er Jahren wurde die Dorfstraße befestigt. Dazu mussten Arbeitslose,
um sich Geld zu verdienen, Schotter herstellen. Dafür hatten sie die Steine mit einem
speziellen Schotterhammer von Hand klein zu klopfen. Ein Holzkasten diente als Maß, je
nach Anzahl der Füllungen wurden die Arbeiter bezahlt. Der Schotter wurde festgewalzt,
fertig war die erste richtige Straße durch Binnewitz.



______________________________________________________________________________________

Jahrhunderte hin und her geschubst ______ Der ursprünglich slawische
Ort erhielt bei der deutschen Besiedlung einen Herrensitz, den 1242 ein Lutholdus de Bunowitz
inne hatte. Später ging das Gut durch die Hände verschiedener Feudalherren der Nachbarschaft.
Nach 1500 gilt der Ort Binnwitz zeitweilig als Ratsdorf von Bautzen, war also nicht durchgängig
der Willkür eines fürstlichen Landes- oder Gutsherren ausgesetzt. "1507 kaufte z.B. der Rat der
Stadt Bautzen das Rittergut und Dorf Postwitz von Liborius von Helwigsdorf, löste das Gut auf und
verteilte die Äcker und Wiesen unter die Bauern, während der Drombergwald in der Hand der Stadt
blieb. Ähnlich verfuhr die Stadt mit den Rittergütern von Burk, Hainitz, Binnewitz und Soritz."
Der Stadtrat von Bautzen führte die Aufsicht über den Ort. Das minderte für die Einwohner von
Binnewitz die Abgaben und Leistungen.
Pönfall
Dieser Zustand änderte sich für längere Zeit durch den Bautzener Pönfall 1547. Mit anderen
Oberlausitzer Städten hatte Bautzen die Befehle Kaiser Ferdinands zur Unterstützung seiner
Heeresmacht im Schmalkaldischen Krieg nicht befolgt und musste nach dessen Sieg hohe Kontribution
erbringen. Unter anderem wurden die zur Stadt gehörenden Landgüter und Dörfer eingezogen. Binnewitz
fiel wieder an Gutsherren.
Nachdem Kaiser Ferdinand 1562 den Grundherren die Obergerichtsbarkeit gegeben hatte, war jeder
Gutsherr oberster Richter innerhalb seines Gutsbezirkes, oft Kläger und Richter in einer Person
und hatte so seine Untertanen vollkommen in der Hand.
Einwohnerzahlen
1777, als der Ort vom Rat zu Bautzen verwaltet wird, leben in Binnewitz etwa 80 Einwohner:
1 besessener Mann - das ist ein vollberechtigter Hufenbesitzer, dessen Erwerb und Beruf die
Landwirtschaft ist. Ihm werden fünf bis acht Personen zugerechnet.
13 Gärtner - das sind Hauseigentümer mit Gartennahrung von wenigen Ar, die die Landwirtschaft
nebenbei betreiben. Ihnen werden vier bis fünf Personen zugerechnet.
5 Häusler - das sind Hauseigentümer ohne Feldbesitz. Sie ernähren sich von Lohnarbeit oder
Gewerbebetrieb. 1834 werden in Binnewitz 120 Einwohner gezählt und 1871 sind es laut historischem
Ortsverzeichnis 127.
Eingepfarrt ist Binnewitz etwa ab 1600 in die Parochie (Kirchspiel) Postwitz (heute Großpostwitz).
Dort wird in den Kirchenbüchern das Geburts-, Tauf-, Trauungs- und Sterberegister geführt.
Erhalten geblieben ist dieses ab 1662/63.



______________________________________________________________________________________

Vom Rittergut zum Kindergarten ______

Das Baujahr des Herrenhauses Binnewitz ist bisher nicht zu ermitteln. Vermutet wird 1912, weil da erstmals ein Besitzer Bär auftaucht. In den folgenden Jahren wechselt der Eigentümer häufig, Storch und Würger tauchen auf, irgendwann erhält ein gewisser Krujatz aus Grubditz das Haus als Entschädigung. Das Haus der Hattars gehörte zum Gut und war Dienstwohnung für Familie Mirtschink. Im Krieg lebten hier Umsiedler aus Hamburg, die Familie Kiel.

Z iemlich sicher ist: In den 30er Jahren kaufte die Wehrmacht alle Felder des Binnewitzer Gutes,
um daraus einen Truppenübungsplatz zu machen. Die heutigen Häuser Ebendörfeler Straße Nummer 01
(Herrenhaus), 02 (heute Schumann), 04 (heute Meyer) und 05 (heute Hattar) verkaufte die Wehrmacht
an zivile Bürger. Das Haus Nummer 03 (heute Konkel) wurde erst 1940/41 für Familie Krujatz
gebaut.

Erholungsheim

Das Herrenhaus kaufte 1941 Friedrich August (Fritz) Biehle. Nach dem 2. Weltkrieg wohnte ein
Umsiedler, ein Gärtner mit seiner Familie im Häuschen am Gewächshaus. Die Hypothek war wohl
eine Nummer zu groß für Fritz Biehle, er konnte das Haus nicht unterhalten und versuchte, es
als Schenkung loszuwerden. Zwischenzeitlich muss die Volkssolidarität hier ein Erholungsheim
eingerichtet haben. Fritz Biehle ließ dafür alles renovieren und wurde Heimleiter. Aber das
Heim musste wieder schließen. Am Ende blieben die Schulden, die in eine Hypothek der
Volkssolidarität umgewandelt wurde.

Ausbildungsstätte

Von September 1951 bis 30. April 1953 befand sich hier die Landesschule für Erfassung und
Aufkauf landwirtschaftlicher Erzeugnisse des Landes Sachsen. Von Juni bis September 1953 wurde
das Haus als Ferienlager von der Margarethenhütte Großdubrau und vom Kreiskrankenhaus Bautzen
genutzt. Anschließend wurden bis 1956 hier Jugendliche zu Förstern ausgebildet. Dann hatte der
Bautzener Stadtrat kurzzeitig den Plan, ein Altersheim einzurichten (Zeitungsartikel von 1957).
Er scheiterte am Geld.

Wohnung und Kindergarten

Später waren bis zu vier Wohnungen vermietet. Die unteren Räume standen aber fast immer leer,
weil die Zimmer zu groß waren. So war es auch, als sich 1964 einige Eltern und Bürgermeister
Willy Simm entschlossen, einen Erntekindergarten einzurichten. Ihren Urlaub 1964 verbrachten
einige Väter bei der Restaurierung der Räume - einige von ihnen bekamen dafür die Aufbaunadel
in Gold. 1965 wurde der Kindergarten eröffnet. Die Eltern von Ebendörfel hatten sich
angeschlossen, und so waren statt der geplanten 24 Plätze immer über 30 Kinder da. 1968 wurde
aus dem Erntekindergarten ein dauerhafter Kindergarten. Erst nach der Wende wurde er
geschlossen, die Kinder mussten nach Großpostwitz oder Auritz.

Verkauf und Sanierung

Das Herrenhaus wurde von den Erben des Fritz Biehle Mitte der 90er Jahre verkauft.
Der neue Besitzer riss den in den 20er oder 30er Jahren entstandenen Anbau ab, sanierte das
Haus von Grund auf und verkaufte es 2001 an die heutigen Eigentümer.



______________________________________________________________________________________

zurück